Barrierefreie Websites und ergonomische Softwaregestaltung

Grafische Darstellung in mehreren Einzelteilen: Ein gesunder Volleyballspieler und ein Behinderter spielen gemeinsam mit der Erdkugel als Ball, der beim Betrachten aller Seiten des Angebots von einem zum anderen wandert. Unter dem fliegenden Ball befindet sich der Schriftzug WWW als Hinweis, daß die Erdkugel hier mit dem Internet assoziiert wird.

Volleyballspieler, aufrecht (Teil 1 von 3). Behinderter Volleyballspieler, im Rollstuhl (Teil 2 von 3). Die Erdkugel als *Volleyball*: Eine für alle. (Teil 3 von 3).

2.5 Symbol für *Film in Deutscher Gebärdensprache* DGS-Film 2: Barrieren im Internet[15] (*) Erfordert MP4[32] -Video-Plugin.

Was sind eigentlich Barrieren im Internet beziehungsweise bei Software-Anwendungen?

Eine Barriere versperrt dem Anwender den Zugang zu Informationen und Funktionen. Man unterscheidet zwischen akustischen, kognitiven, motorischen und visuellen Barrieren, die allesamt vom Mensch ausgehen. Es kann sich aber auch eine weitere Barriere zum Beispiel aus dem verwendeten Gerät ergeben (sogenannte technische Barrieren).

Akustische Barrieren entstehen durch eine Beeinträchtigung des Gehörsinns. Akustische Informationen werden dann nicht oder nur schlecht aufgenommen. Das kann zum Beispiel der Ton zu einem Film oder ein Signalton zu einer Systemmeldung sein. — Leichte Beeinträchtigungen des Gehörsinns beim Nutzer können in der Regel mittels Hörgerät zufriedenstellend kompensiert werden. Bei schwerer Hörbeeinträchtigung ist eine Aufnahme von akustischen Informationen kaum, bei Gehörlosigkeit gar nicht möglich.

Die Muttersprache gehörloser Menschen ist die Gebärdensprache. Lautsprache –auch in schriftlicher Form– bleibt dabei Fremdsprache und ist somit keine Alternative, die gehörlosen Menschen einen barrierefreien Zugang zu Webseiten ermöglicht. Daher ist für die barrierefreie Gestaltung von Webseiten eine Übersetzung der eingestellten Texte in die Gebärdensprache zwingend erforderlich.

Motorische Barrieren entstehen, wenn der Nutzer einzelne oder mehrere Körperteile nicht mehr voll einsetzen kann. Das Spektrum reicht von Muskelschwächen über Einschränkungen der Bewegungsmöglichkeiten bis hin zu fehlenden Gliedmaßen. Personen mit motorischen Behinderungen stoßen bei der Bedienung eines Computers häufig auf Schwierigkeiten, da zum Beispiel die Bewegung der Maus nicht richtig kontrolliert werden kann oder mehrere Tasten gleichzeitig betätigt werden. Alternative Eingabemittel, teilweise mit Sprachsteuerung und individuell angepasster Bedienung werden eingesetzt. Es ist seitens der Entwicklung besonders wichtig, die Bedienung der Anwendung über verschiedene Eingabemittel zu ermöglichen und klare Bezeichnungen der Elemente zur Sprachsteuerung zu wählen.

Kognitive Barrieren entstehen, wenn die direkte Verarbeitung von Informationen, zum Beispiel durch eingeschränkte Intelligenz oder Rechenschwäche, erschwert wird. Aber auch sprachliche Barrieren, wie Texte in Fachsprache oder Fremdsprache, können hier Barrieren darstellen. Seitens der Entwicklung sollte darum auf verständliche Texte –im Besonderen «Leichte Sprache»– geachtet und gegebenenfalls Bilder bzw. Symbole angeboten werden, um diese Zielgruppen zu erreichen.

Visuelle Barrieren beinhalten sowohl den erschwerten Zugang zu Informationen am Bildschirm durch Sehbehinderungen, als auch den Ausfall des Sehsinnes, die Blindheit. Sehbehinderungen ergeben sich beispielsweise aus Farbfehlsichtigkeit, Kurz- bzw. Fernsichtigkeit und Alterssehschwäche. In diesen Fällen sollte seitens der Entwickler und Designer auf möglichst gute Kontraste und größeneinstellbare Zeichen geachtet werden, damit die Informationen aufgenommen werden können. Blinkende, animierte Texte sind zu vermeiden. Besonders für blinde Menschen ist eine sinnvolle Textstrukturierung notwendig, damit die Informationen des Internetangebotes zum Beispiel mit einem Screenreader oder einer Braillezeile erfasst werden können. Zu diesem Zweck ist eine programmtechnische Trennung der reinen Information des Angebotes von der optischen Darstellung zwingend erforderlich. Darüber hinaus müssen graphische Inhalte mit einem beschreibenden Text hinterlegt werden, da andernfalls die Information dieser Graphik nicht aufgenommen werden kann.

Weitere Barrieren können sich durch die verwendeten Geräte, zum Beispiel einem Laptop oder einem PDA[34] (Personal Digital Assistent) ergeben. Auch der Benutzer eines PDA[34] s sollte die Möglichkeit haben, das Angebot eines Internetauftrittes, zum Beispiel eines virtuellen Auktionshauses, zu nutzen.

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15 DGS
Deutsche Gebärdensprache
32 MP4
MP4 ist ein Multimedia-Datenformat der Moving Picture Experts Group . Weiterführende Informationen dazu finden Sie unter anderem bei Wikipedia: Datenformat MP4 .
34 PDA
Personal Digital Assistant : Ein mobiler Computer, der sich in Größe und Leistungsfähigkeit zwischen Handy und Laptop bewegt.

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