Barrierefreie Websites und ergonomische Softwaregestaltung

Grafische Darstellung in mehreren Einzelteilen: Ein gesunder Volleyballspieler und ein Behinderter spielen gemeinsam mit der Erdkugel als Ball, der beim Betrachten aller Seiten des Angebots von einem zum anderen wandert. Unter dem fliegenden Ball befindet sich der Schriftzug WWW als Hinweis, daß die Erdkugel hier mit dem Internet assoziiert wird.

Volleyballspieler, aufrecht (Teil 1 von 3). Behinderter Volleyballspieler, im Rollstuhl (Teil 2 von 3). Die Erdkugel als *Volleyball*: Eine für alle. (Teil 3 von 3).

3.1 Rechtliche Grundlagen

Bereits im Grundgesetz (GG) findet sich die Basis für die Gleichstellung behinderter Menschen.

Das dort verankerte Benachteilungsverbot besagt: Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden (Artikel 3 GG[20] ). Zur Konkretisierung dieser Forderung trat am 01.05.2002 das Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen - Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) in Kraft. Die jeweils aktuelle Fassung finden Sie bei www.juris.de, derzeit gilt das BGG in der Fassung vom 19. beziehungsweise 27.07.2016.

  • Das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG)

    Was bedeutet Barrierefreiheit? — Eine Antwort hierauf liefert uns das BGG[7] . Unter Barrierefreiheit versteht man demnach, dass Dinge unseres täglichen Lebens für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Einschränkungen und grundsätzlich ohne fremde Hilfe, zugänglich und nutzbar sind.

    Dies betrifft im besonderen Maße den Zugang zu Internet-Angeboten, als wichtige Informationsquelle und modernes Kommunikationsmittel.

    In erster Linie wendet sich das BGG[7] an Behörden und Einrichtungen auf Bundesebene. Es eröffnet jedoch die Möglichkeit, durch abschließen von Zielvereinbarungen zwischen anerkannten Verbänden und Unternehmen oder Unternehmensverbänden die Barrierefreiheit auch auf den Bereich der freien Wirtschaft auszudehnen (§ 5 BGG[7] ).

    Eine barrierefreie Gestaltung von Informationsangeboten umfasst übrigens auch Aspekte der Verständlichkeit - insbesondere für Menschen mit eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten. Den Einsatz der für diese Zielgruppe bestimmten Leichten Sprache regelt der 2016 neu aufgenommene § 11 BGG[7] .

    Die besondere Bedeutung des Internet wird durch einen eigenen Paragraphen im BGG[7] unterstrichen. Unter der Überschrift "Barrierefreie Informationstechnik" ist die Anforderung zu finden, dass Internetauftritte und -angebote so zu gestalten sind, dass sie von behinderten Menschen grundsätzlich uneingeschränkt genutzt werden können (§ 12 BGG[7] ).

    Die Erfüllung dieser Anforderungen regelt die Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz - Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV[9] 2.0).

  • Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV[9] 2.0) und World Wide Web Consortium (W3C)

    Auf internationaler Ebene wurden bereits 1999 Standards für einen barrierefreien Internetzugang geschaffen. Das World Wide Web Consortium (W3C) entwickelte eine "Zugänglichkeitsrichtlinie für Web-Inhalte", die WCAG[47] . Diese enthält Informationen für Entwickler / Webdesigner zur Gestaltung von barrierefreien Internetseiten, aktuell ist die Version 2.0 .

    Die WCAG[47] 2.0 beinhaltet eine Checkliste, mit der die Kriterien zur Erfüllung der Barrierefreiheit überprüft werden können.

    Hierbei werden die zu erfüllenden Punkte in 3 Prioritätsstufen eingeteilt. Die Punkte von Priorität 1 müssen, von Priorität 2 sollten und von Priorität 3 können Entwickler / Webdesigner erfüllen.

    Ansonsten wird es einer oder mehreren Gruppen von behinderten Menschen unmöglich (Priorität 1) , schwierig (Priorität 2) oder etwas schwierig (Priorität 3) sein, auf Informationen dieser Internetseiten zuzugreifen.

    Die BITV[9] 2.0 greift auf diese Checkpunkte zurück und schreibt sie für Internetzugänge auf Bundesebene vor. Jedoch wird in der BITV[9] 2.0 nur mit 2 Prioritätsstufen gearbeitet. Ansonsten wird die Barrierefreiheit mit vier Prinzipien und 12 Anforderungen beschrieben, aus denen insgesamt 61 Prüfbedingungen resultieren, mit denen sich ein Internetauftritt hinsichtlich Barrierefreiheit bewerten lässt.

0.6.x Glossar zu dieser Seite

7 BGG
Behindertengleichstellungsgesetz
9 BITV
Barrierefreie Informationstechnikverordnung: Rechtliche Grundlage für Behörden und Einrichtungen der Bundesrepublik Deutschland, die barrierefreie Websites vorschreibt und die Anforderungen dazu vorgibt. Die aktuelle Version 2.0 der Verordnung lehnt sich stark an die WCAG 2.0 an, den Text finden Sie online beim Bundesanzeiger Verlag: . BITV gemäß Bundesgesetzblatt Nummer 48 / 2011 (mit freundlicher Genehmigung des Bundesanzeiger Verlags)
20 GG
Grundgesetz
45 W3C
World Wide Web Consortium : Das Normierungsgremium für Internetfragen. Weitere Informationen finden Sie auf deren Webseiten: http://www.w3c.de/
47 WCAG
Web Content Accessibility Guidelines . Eine Empfehlung des W3C , die konkrete Hinweise gibt, wie Inhalte im Web gut zugänglich gestaltet werden können. Aktuell ist die WCAG 2.0 .

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